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Texte zu “Religion und Jenseitsvorstellungen in antiken Utopien”
Odyssee IV, 50:
Aber dir bestimmt, o Geliebter von Zeus, Menelaos,
Nicht das Schicksal den Tod in der rossenährenden Argos,
Sondern die Götter führen dich einst an die Enden der Erde,
In die elysische Flur, wo der bräunliche Held Radamanthus
Wohnt und ruhiges Leben die Menschen immer beseligt
(Dort ist kein Schnee, kein Winterorkan, kein gießender Regen,
Ewig wehen die Gesäusel des leise atmenden Westes,
Welche der Ozean sendet, die Menschen sanft zu kühlen),
Weil du Helena hast und Zeus als Eidam dich ehret.
Kritias, VS 88 B25:
Es gab eine Zeit. da war der Menschen Leben ungeordnet und fieberhaft und der Stärke untertan, da gab es keinen Preis für die Edlen, noch auch ward Züchtigung den Schlechten zuteil. Und dann scheinen mir die Menschen Gesetze aufgestellt zu haben als Züchtiger, auf daß das Recht Herrscherin sei, und die
Frevelei zur Sklavin habe. Und bestraft wurde jeder, der sich nur verging. Dann als zwar die Gesetze sie hinderten, offene Gewalttaten zu begehen, sie aber im Verborgenen solche begingen, da, scheint mir, hat <zuerst> ein schlauer und gedankenkluger Mann die Götterfurcht der Sterblichen erfunden, auf das ein Schreckmittel da sei für die Schlechten, auch wenn sie im Verborgenen etwas täten oder sprächen oder dächten. Von dieser Überlegung also aus führte er das Überirdische ein...
Plat., Nom. X, 909d
In Privathäusern soll niemand Heiligtümer haben: sooft es jemanden in den Sinn kommt zu opfern, soll er zu den öffentlichen
Heiligtümern gehen und die Opfer den Priestern und Priesterinnen übergeben, denen die Sorge für die Weihehandlungen an diesen obliegt.
Cicero, De leg. II, 16
Für sich allein soll niemand Götter haben, weder neue noch fremde, es sei denn, sie sind öffentlich anerkannt; zu Hause sollen sie die verehren, deren Verehrung sie nach rechtem Religionsgebrauch von den Vätern übernommen haben. In den Städten sollen sie Heiligtümer haben, auf dem Land Haine und Wohnsitze für die Laren. Das Brauchtum der Familie und der Väter sollen sie bewahren.)
Horaz, Epode 16, 39f.:
Ihr, die ihr (echte) Männer seid, reißt euch die weibische Trauer aus dem Sinn
und fahrt dahin längs der Etruskerküste!
Denn uns erwartet der weltumströmende Ozean: Zu den seligen Gefilden
wollen wir eilen und den fruchtbaren Gestaden und Inseln,
wo ungepflügt die Erde jedes Jahr Getreide schenkt
und die Reben ungestutzt dauernd blühen,
wo das Reisig der nie versagenden Olive keimt,
und die dunkle Feige den Baum schmückt,
wo der Honig aus der hohlen Eiche fließt, wo von hohen Bergen
klares Wasser sanft rauschenden Fußes herabspringt.
Dort kommen ungerufen an das Melkgeschirr die Ziegen,
die freundliche Rinderherde den vollen Euter von selbst abliefern kommt,
kein Bär umbrummt zur Abendzeit drohend den Schafstall,
die Erde ist im Inneren nicht von Schlangen trächtig.
Noch vieles mehr werden wir voll Glück schauen,
Vergil, 4. Ekloge:
Musen Siziliens, laßt uns ein wenig Größeres singen!
Nicht alle freut das Gebüsch und der niedrige Strauch Tamarisken.
Singen wir Wälder, dann seien die Wälder auch wert eines Konsuls!
Letzte Weltzeit brach schon an des cumaeischen Liedes;
groß von Anfang an neu entspringt nun der Zeitalter Reihe.
Schon kehrt wieder die Jungfrau, kehrn wieder saturnische Reiche,
schon wird neu ein Sproß entsandt aus himmlischen Höhen.
Du nur sei der Geburt des Knaben, mit dem das Geschlecht von
Eisen endet und in aller Welt das goldene aufsteigt,
sei nur, Lucina, du reine, ihm hold; schon herrscht dein Apollo!
Dir, mit dir, dem Konsul, hebt an einer Ewigkeit Kreisgang
Pollio, und es beginnen zu steigen die mächtigen Monde.
Wenn du führst, wird getilgt, was noch blieb von unsres Verbrechens
Spuren und erlöst vom ständigen Schrecken die Lande.
Er wird Götterleben empfangen, er wird zu den Göttern
sehen die Helden gesellt, wird selbst unter ihnen erscheinen,
lenken wird er die befriedete Welt mit den Kräften des Vaters.
Dir aber, Knabe, gibt von allein als Erstlingsgeschenklein
üppig wuchernden Efeu mit Baldrian allseits die Erde,
Wasserrosen mischt sie dem lächelnden Reiz des Akanthus.
Freiwillig tragen die Ziegen nach Haus milchstrotzende Euter,
und das Hornvieh fürchtet sich nicht vor mächtigen Löwen,
selbst deine Wiege umblüht dich rings mit leuchtenden Blumen.
Dann schwindet hin die Schlange, und trügerisch-giftige Kräuter
schwinden dann hin, und überall wächst assyrischer Balsam.
Aber sobald du der Helden Lob und die Taten des Vaters
erst zu lesen verstehst und begreifst, was Tugend bedeutet,
weich dann wogt allmählich das Feld mit goldenen Ähren,
rötlich hängt in unbeschnittenen Dornen die Traube,
und der harten Eiche entquillt tauperlender Honig
Einige Spuren jedoch verbleiben des Frevels der Urzeit,
treiben, mit Schiffen das Meer zu versuchen, Städte mit Mauern
rings zu umgürten und Furchen einzureißen der Erde.
Dann kommt ein anderer Tiphys, und neu eine Argo, die wieder
Helden, erlesene, trägt, es gibt wieder andere Kriege,
und gen Troja wird wieder entsandt ein großer Achilles
Dann, wenn dich zum Mann gemacht das gekräftigte Alter,
läßt auch der Schiffer freiwillig das Meer, die segelnde Fichte
tauscht nicht Waren mehr aus: überall trägt alles die Erde.
Nicht mehr duldet der Boden den Karst, der Weinberg die Sichel,
jetzt auch löst die Stiere vom Joch der kräftige Pflüger.
Nicht mehr lernt nun trügerisch bunt sich färben die Wolle,
nein, schon wechselt von selbst im Wiesengrunde der Widder
lieblich in glühenden Purpur sein Vlies und goldenen Safran.
Scharlach kleidet nun ganz von selbst die weidenden Lämmer.
'Solche Jahrhunderte spulet im Lauf!' so mahnten in Eintracht
nach der Schicksale ewigem Plan ihre Spindeln die Parzen.
Bald ist's Zeit, tritt an deine Bahn, o, strahlender Ehren,
teurer Sprosse der Götter, des mächtigen Juppiter Nachwuchs!
Siehe, es wankt und schwankt des Weltendomes Gewölbe,
Länder und Meere, unendlich gedehnt, und die Tiefen des Himmels,
siehe, so grüßt den Aion, den nahenden, jubelnd das Weltall!
O, mir dauere dann noch zuletzt so lange das Leben
und mein Odem, als es genügt, deine Taten zu preisen!
Weder der thrakische Orpheus noch Linus sollte im Sange
dann mich besiegen, mag jenem die Mutter auch, diesem der Vater
helfen: Kalliope Orpheus, dem Linus der schöne Apollo.
Pan sogar, fällte den Spruch auch Arkadien, stritte mit mir er,
Pan sogar, fällte den Spruch auch Arkadien, gäbe besiegt sich.
Auf denn, Knabe, du kleiner, erkenne mit Lachen die Mutter!
Lange Beschwerde doch brachten der Monate zehn deiner Mutter.
Auf denn, Knabe, du kleiner: wer nicht anlachte die Mutter,
nimmer würdigt ein Gott ihn des Mahls, eine Göttin des Lagers.
Mk, 10, 41-45
41 Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über
Jakobus und Johannes.
42 Da rief Jesus sie zu sich und sagte: Ihr wißt, daß die, die als Herrscher
gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die
Menschen mißbrauchen.
43 Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will,
der soll euer Diener sein,
44 und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.
45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen,
sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele.
1 Kor 15,35-50
35 Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt, was für einen
Leib werden sie haben?
36 Was für eine törichte Frage! Auch das, was du säst, wird nicht lebendig,
wenn es nicht stirbt.
37 Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird; es ist nur
ein nacktes Samenkorn, zum Beispiel ein Weizenkorn oder ein anderes.
38 Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat, jedem Samen eine
andere.
39 Auch die Lebewesen haben nicht alle die gleiche Gestalt. Die Gestalt der
Menschen ist anders als die der Haustiere, die Gestalt der Vögel anders als die
der Fische.
40 Auch gibt es Himmelskörper und irdische Körper.
41 Der Glanz der Sonne ist anders als der Glanz des Mondes, anders als der Glanz
der Sterne; denn auch die Gestirne unterscheiden sich durch ihren Glanz.
42 So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird ist
verweslich, was auferweckt wird unverweslich.
43 Was gesät wird ist armselig, was auferweckt wird herrlich. Was gesät wird
ist schwach, was auferweckt wird ist stark.
44 Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib (soma
pneumatikon). Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen
überirdischen.
45 So steht es auch in der Schrift: Adam, der Erste Mensch, wurde ein irdisches
Lebewesen. Der Letzte Adam wurde lebendigmachender Geist.
46 Aber zuerst kommt nicht das Überirdische; zuerst kommt das Irdische, dann
das Überirdische.
47 Der Erste Mensche stammt von der Erde und ist Erde; der Zweite Mensch stammt
vom Himmel.
48 Wie der von der Erde irdisch war, so sind es auch seine Nachfahren. Und wie
der vom Himmel himmlisch ist, so sind es auch seine Nachfahren.
49 Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach
dem Bild des Himmlischen gestaltet werden.
50 Damit will ich sagen, Brüder: Fleisch und Blut können das Reich Gottes
nicht erben; das Vergängliche erbt nicht das Unvergängliche
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