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Menschenopfer bei Griechen und Römern (Handout)
Archäologischer Befund
In Italien: keine eindeutigen Hinweise
Griechenland:
Kreta: Anemospiliai, Knossos (Anthropophagie?)
Mykenisch: 4 Gräber in Mykene, Argos und Prosymna
Zypern: Lapithos Kostros, Gräber 412, 417, 420, 422; Lapithos Prostemenos, Grab 74;
Salamis, Grab 2;
Mythische Menschenopfer
a) Totenopfer an Patroklos (siehe Text)
b) Opferung der Polyxena
c) Iphigenie-Mythos
d) Opferungen aufgrund eines Schwurs:
§Idomeneus opfert seinen Sohn (Verg.Aen. 3.121; 11.264)
§Opferung des Lophis (Paus. 9.33.4)
e) Ersatzopfer und aitologische Kultlegenden
Stereotypes Schema: Frevel --> Unglück --> Orakel --> Menschenopfer --> Ersetzung
§ Halai (Eur.IT 1458-61); Diamastigosis-Ritual (Paus.3.16.7-11); Potniai in
Boiotien; Kult des Dionysos Anthroporrhaistes auf Tenedos; Artemis-Kulte in Mounychia und Brauron (Attika) sowie in Patrai
f) Freiwillige Jungfrauenopfer
Historische Kulte
a) Agrionia von Orchomenos (siehe Text)
b) Der lokrische Mädchentribut
c) Kult des Zeus Lykaios
Pharmakos-Rituale
a) in Verbindung mit Steinigung: Ephesos, Athen (Opferung von Kratinos und
Ktesibos)
b) in Verbindung mit Sturz von einer Klippe: Massilia und Leukas (siehe Text)
Opfer im Zusammenhang mit Krieg
a) Agesilaos, Themistokles und Pelopidas bei Plutarch (siehe Text)
b) Devotio (eigene)
c) Devotion der Feinde etruskische Ursprünge?; Opferung der Gallier und Griechen (siehe Text)
Menschenopfer als Ursprung der Gladiatorenkämpfe?
a) Kämpfe zu Ehren des Iunius Brutus
b) Jupiter Latiaris
c) Gladiatorenblut als Heilmittel (siehe Text)
Menschenopfer als Propagandamittel
a) Apollodor (3.Jh. v.Chr.)
b) Marius
c) Sextus Pompeius
d) Catilina (siehe Text)
e) religiöse Minderheiten
f) Konstantin
g) Julian
ad Totenopfer am Grab des Patroklos
Ho.Il. XXIII, 175-83
Zwölf hochedle Söhne dazu der tapferen Troer,
mit dem Schwerte erlegt, und brütete finsteres Unheil;
Schleuderte dann hinein des Feuers eiserne Stärke,
Stöhnte und rief gar laut den Namen des geliebten Gefährten:
„Freue dich mit mir, Patroklos, auch drunten im Hause des Hades!
Was ich dir früher gelobt, hab ich nun alles vollendet:
Zwölf hochedle Söhne vom tapferen Volke der Troer
Zehrt das Feuer zusammen mit dir. Nicht aber den Flammen
Geb ich des Priamos Sohn zum Fraß: er bleibe den Hunden!“
ad Agrionia
Plut.Quaest.Graec. 38
Und jedes Jahr, beim Fest der Agrionia, findet eine Flucht und Verfolgung von ihnen [den Nachfahrinnen der
Minyaden] statt durch den Dionysos-Priester mit dem Schwert in der Hand. Jede von ihnen, die er fängt, darf er töten und in meiner Zeit tötete der Priester Zoilos eine von ihnen. Doch dies bewirkte nichts Gutes für die Leute von
Orchomenos... deshalb entzogen sie der Familie des Zoilos das Priesteramt und wählten den besten Mann unter allen Bürgern, das Amt zu erfüllen.
ad Pharmakos-Ritual von Leukas
Strabo 10.2.9:
Auf ihm [dem Felsen] befindet sich der Tempel des Apollo Leukatas und jene Stelle des Sprunges, von welchem man glaubte, daß er die Liebe stille... Auch war es bei den Leukadiern ein urväterlicher Gebrauch, daß alljährlich am Opferfeste des Apollo einer der angeklagten Verbrecher der Sühnung wegen von der Felswarte hinabgestürzt wurde, nachdem man ihm allerhand Flügel und Vögel angebunden hatte, welche durch ihr Flattern den Sprung erleichtern konnten, daß ihn aber unten viele in kleinen Nachen rings herum aufgestellte Leute auffingen und so weit möglich wohlbehalten über die Grenzen brachten.
ad Pelopidas:
Plut.Pelop.21-2
ad Opfer des Gallier- und Griechenpaares
Livius, XXII, 57, 2f.
Abgesehen von den so schweren Niederlagen war man noch durch eine Reihe schlechter Prodigien erschreckt, besonders durch die Tatsache, daß in diesem Jahr zwei
Vestalinnen, Opimia und Floronia, der Unzucht überführt worden waren. Die eine wurde wie üblich am collinischen Tor lebendig begraben, die andere hatte Selbstmord verübt... Weil man nun auch diese Sünde, wie es so geschieht, unter so vielen Schicksalsschlägen für ein schlechtes Vorzeichen hielt, beauftragte man die
Decemvirn, die Bücher nachzuschlagen. ... Inzwischen brachte man nach der Anordnung der Schicksalsbücher einige außerordentliche Opfer dar. Unter anderem ließ man einen Gallier und eine Gallierin, einen Griechen und eine Griechin auf dem Forum Boarium lebendig in ein unterirdisches Felsverließ hinab, das schon früher Menschenopfer erlebt hatte, eine sonst keineswegs bei Römern übliche Form des Opferns.
ad Gladiatorenblut
Plin. n.h. XXVIII, 4
Die Epileptiker trinken sogar das Blut der Gladiatoren, gleichsam aus lebendigen Bechern, was schon schrecklich genug anzusehen ist, wenn es auch wilde Tiere auf demselben Kampfplatz tun. Aber, beim
Hercules, jene halten es für das wirksamste, das warme und mit Atem erfüllte Blut und gleichsam die lebende Seele aus dem Menschen mit den Lippen auf den Wunden zu schlürfen... Andere suchen nach dem Mark der Schenkel und dem Gehirn von Kindern. Und es gab nicht wenige unter den Griechen, die sogar den Geschmack der einzelnen Eingeweide und Glieder angegeben haben, indem sie alles bis zu den abgeschnittenen Fingernägeln durchforschten, gerade als ob man wirklich von Gesundheit reden könne, wenn der Mensch zum wilden Tier wird und der Krankheit selbst im Heilmittel würdig erscheint...
ad Catilina
Plut. Cic. 10 :
Diese Leute hatten zum Führer einen verwegenen Mann, der hochfliegende Pläne und einen verschlagenen Charakter hatte :
Lucius Catilina, dem man früher außer anderen schweren Verbrechen die Schändung seiner jungfräulichen Tochter und die Ermordung seines Bruders zur Last gelegt hatte. Diesen Mann hatten die Bösewichte sich also zum Führer genommen und außer anderen Treupfänden, die sie sich gaben, einen Menschen getötet und von seinem Fleisch gegessen.
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