Die Stimme der Vernunft
Geschichte & Uni-Arbeiten
Computertipps
Grundsätze
Karte der Sapientiae I.
Links
Gästebuch
 
 

         

Der Limes


Das lateinische Wort limes bezeichnete in seiner ursprünglichen Wortbedeutung den Grenzweg zweier Grundstücke. In militärischer Hinsicht bezeichnete man als limites zunächst Bahnen und Schneisen, die durch unzugängliche Gebiete wie Wälder strahlenförmig angelegt wurden, um diese besser kontrollieren zu können. Solche Sichtschneisen legten die Römer besonders auch dort an, wo die durchgehende Militärpräsenz endete, und keine natürlichen Flußbegrenzungen (ripae) vorhanden waren. Zum freien Germanien hin mußten die Römer vor allem eine Verbindung zwischen der untergermanischen Rheingrenze und der Donau herstellen. Obwohl besonders in Germanien der Limes mit den Grenzen des römischen Gebietes (fines imperii) übereinstimmte, kann man ihn nicht als Grenzlinie bezeichnen. Es kam durchaus auch vor, daß die Römer Land jenseits der Sichtschneisen nutzten und bewirtschafteten. 
In der Spätantike, als nicht mehr daran zu denken war, eine durchgehende und kontrollierbare Grenzlinie aufrechtzuerhalten, wurden ganze Grenzregionen als limites bezeichnet“. Limes war somit nicht mehr eine Grenze, sondern vielmehr eine Grenzmark.

Der obergermanisch-rätische Limes

Nach der Eroberung Galliens durch Caesar legte dieser zunächst den Rhein als Grenze zum Barbaricum fest, wo in weiterer Folge auch eine große Anzahl von Kastellen zur Verteidigung angelegt wurden. Nach dem erfolglosen Versuch, Germanien bis zur Elbe zu unterwerfen, ruhten weitere Pläne zunächst, bis die Römer unter den Kaisern Claudius und Nero auch vermehrt Militäranlagen auf rechtsrheinischer Seite, etwa im Schwarzwald oder im Odenwald anlegten. Vespasian ergänzte die rechtsrheinischen Eroberungen durch einen zusätzlichen Vorstoß über die Donau in Rätien, sein Sohn Domitian brachte die Eroberungen mit der Anlage einer durchgehenden Limesschneise nach den Chattenkriegen zu einem vorläufigen Abschluß. Der Limes unter Domitian bestand aus nicht mehr als eine Sichtschneise und einem Postenweg, an dem Holztürme in so einem Abstand aufgestellt wurden, um untereinander Sichtkontakt halten zu können. Je nach Gelände schwankten die Abstände zwischen 200 und 1000 Meter. Die lediglich 4-5 Mann starke Besatzung der Türme rekrutierte sich aus den Auxiliareinheiten der jeweils benachbarten Militärkastelle. Andere Verteidigungsanlagen gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Nur wenige Jahre später, im Zuge des Aufstandes von L. Antonius Saturninus 88/89n.Chr. wurde der Limes auf weiten Strecken zerstört. Daran erkennt man auch bereits, daß der Zweck des Limes nicht darin bestand, feindliche Truppen aufzuhalten, sondern Grenzbewegungen festzustellen und die Kommunikation zwischen den Militärkastellen zu gewährleisten, die hinter den Sichtschneisen lagen. 
Eine umfassende Wandlung erfuhr der obergermanisch-rätische Limes unter Kaiser Hadrian. Hadrian restrukturierte die gesamte Verteidigung gegenüber dem freien Germanien. Er veranlaßte die Verlegung und den Neubau von Kastellen und ordnete auch die Truppen neu, die bestimmte Grenzabschnitte zu verteidigen hatten. Am Limes selbst ließ er eine durchgehende Palisade errichten, die vor den Türmen und dem Postenweg angelegt wurde. Die ursprünglich nach dem Gelände tracierte Linie wurde im südlichen Abschnitt des obergermanischen Limes von Hadrian auf einem etwa 80 km langen Abschnitt durch eine schnurgerade Schneise ersetzt, die dem natürlichen Gelände in keiner Weise folgte. Auch in anderen Teilen des Limes bevorzugte man gerade oder polygonale Linienführung, um den Signaldienst zu erleichtern – ein weiterer Beleg, daß administrative Notwendigkeiten weit mehr Gewicht bei der Wahl der Limesführung hatten, als militärisch-strategische Überlegungen. 
Unter Antoninus Pius erhielt der obergermanisch-rätische Limes seinen endgültigen Verlauf. Vom Rhein südlich des heutigen Bonn bis etwa nach Regensburg (Castra Regina) befand sich nun eine etwa 550km lange, durchgehende Palisade mit etwa 900 Wachtürmen und 60 größeren Kastellen in bestimmten Abständen. 
Die Verteidigung des römischen Gebietes, und damit auch die Besatzungen der Limestürme, wurde immer weniger von regulären Truppen übernommen. An ihre Stelle traten zusehends ortsansässige Bauern und zugesiedelte Germanen, die neben der Grenze vor allem auch ihre eigenen Äcker schützen wollten. In die Regierung von Antoninus Pius und Mark Aurel fällt auch ein weiterer Umbau des Limes. Die alten Holztürme wurden zusehends durch Steintürme ersetzt, die entweder an die Stelle der alten Türme selbst oder in unmittelbarer Nähe errichtet wurden. Für den Bau dieser neuen Türme wurden auch häufig römische Legionäre herangezogen.
Eine vierte und letzte Ausbaustufe erreichte der Limes unter der severischen Dynastie am Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Jahrhunderts. In Obergermanien zog man hinter der Palisade einen 6-8 Meter breiten, etwa zwei Meter tiefen Graben mit einem dahinterliegenden Aushubwall. Die Reste dieses Grabens sind auch heute noch der sichtbarste Teil des Limes und wird Pohl oder Pfahl genannt. Palisade und Graben sind nur an den Stellen unterbrochen, wo sich torartige Durchlässe befanden. Jenseits der Provinzgrenze im Rotenbachtal, im rätischen Abschnitt des Limes, wählte man eine andere Form von Hindernis. Dort begann man, wahrscheinlich unter Kaiser Caracalla mit der Errichtung einer Mauer, die die alten Palisaden ersetzte und die unter dem Namen „Teufelsmauer“ bekannt ist. Auch hier zeigt sich, daß die alten Palisaden noch nach dem Gelände traciert waren, während die Mauer streckenweise schnurgerade verläuft. Auch durch den Graben und die Teufelsmauer sollten jedoch nicht fremde Heerscharen abgehalten werden, sondern ein Überschreiten der Grenze verlangsamt und erschwert werden. Besonders der Abtransport von Vieh und anderem Raubgut durch kleinere marodierende Gruppen konnte dadurch so lange aufgehalten werden, bis man eingreifen konnte.
Im Verlauf des dritten Jahrhunderts wurde der Limes beinahe regelmäßig von feindlichen Truppen durchbrochen und wieder instand gesetzt. Maximinus Thrax ließ die Linie ein letztes Mal wiederherstellen, aber unter Gallienus brach die Linie endgültig zusammen. Die gesamte Verteidigungsstrategie der Römer gegenüber den Germanen änderte sich in Richtung eines flexiblen Systems von Grenzmarken anstatt die Verteidigung durch Kastelle auf einer Linie aufrechtzuerhalten. 

Bauwerke am Limes:

Die wichtigsten Bauwerke am Limes waren die Praesidium oder Castellum genannten sowie nach dem Vorbild der römischen Castra geschaffenen Lager der Auxiliartruppen. Diese Lager waren jedoch mit 0,6 bis 6 ha. beträchtlich kleiner als die der regulären römischen Legionen. Sie beherbergten je nach Art der Truppe etwa 500 bis 1000 Mann. Diese gingen Lager aus den römischen Marschlagern hervor und entlehnten ihre Form römischer Stadtarchitektur mit rechtwinkeigen Straßensystemen, die Mannschaftsunterkünfte entwickelten sich aus der Zeltform der Marschlager. Die Ausführung der Kastelle konnte sowohl in Stein als auch in Holz geschähen. Sie sind weniger als Festungen denn als befestigte Kasernen zu betrachten.
Oftmals bildeten sich neben diesen Anlagen, meist an einer von den Kastelltoren abgehenden Straße, dorfartige Zivilsiedlungen (Vicus), in denen sich Händler, Handwerker, Soldatenfamilien und Veteranen ansiedelten. 
Die Limeskastelle dienten als dauerhafte Unterkünfte regulärer Hilfstruppen. An manchen Abschnitten des Limes gab es zwischen diesen größeren Anlagen kleinere Wehrbauten und Kleinstkastelle, die zum Teil auch als Feldwachen bezeichnet werden können und im allgemeinen als Unterkünfte für kurzfristig abkommandierte Wachtruppen, die in regelmäßigen Abständen abgelöst wurden, oder für kleinere Hilfstruppenkontingente, die in ihnen dauerhaft stationiert wurden. Im Gegensatz zu den großen Kastellen waren ihre Größen und Grundrisse äußerst unterschiedlich. Die Kleinkastelle erfüllten verschiedenste Zwecke, so lagen sie etwa an Limesübergängen, besonders gefährdeten Streckenabschnitten oder zwischen besonders weit voneinander entfernten Kastellen.
Die Wachtürme entlang des Limes wurden burgus, mitunter auch turris genannt. Die erste Generation, die Holztürme besaßen ein Fundament in Trockensteinbauweise, die durch eine hölzerne Balkenrostkonstruktion stabilisiert wurde. Die Türme besaßen vier Eckpfeiler, die etwa einen Meter in den Boden versenkt wurden. Diese Holztürme waren von einem Ringwall umgeben, der aber lediglich der Entwässerung diente. Die Eingänge der Türme, sowohl die der Holztürme als auch die der Steintürme lagen über dem Fundament im ersten Stock, konnten nur über Leitern erreicht werden und führten in das sogenannte Wohngeschoß. Das Obergeschoß war für den Wachdienst bestimmt. Da keine archäologischen Reste der oberen Etagen der Türme vorhanden sind, muß das Aussehen des Oberbaus anders rekonstruiert werden. Wahrscheinlich führte vielfach eine Galerie um das oberste Geschoß, wie ein Analogieschluß von Signaltürmen, die auf der Trajanssäule dargestellt sind, vermuten läßt. Die Dächer der Türme waren meist mit Schindeln gedeckt, die Mauern der Steintürme wurden mit weißem Kalk verputzt und die Quaderlinien oft mit roter Farbe angestrichen, wie man aus Farbresten schließen kann.
Die Holztürme lagen, bedingt durch das Datum ihrer Errichtung, sowohl vor als auch hinter der Palisade, während die Steintürme aufgrund ihrer späteren Entstehung stets hinter der Palisade gebaut wurden. Die Steintürme in Rätien lagen entweder zwei bis 20 Meter hinter der Mauer, oder sie waren in den Mauerverlauf integriert. Sie bildeten aber in keinem Fall eine bauliche Einheit mit der Mauer, da sie bereits etliche Jahrzehnte vor der Mauer errichtet worden waren.

Handel und Verkehr über den Limes

Über den Warenaustausche des Römischen Reiches mit den germanischen Stämmen gibt uns besonders die Archäologie wichtige Erkenntnisse, aber auch einige antike Autoren. Zu den am Häufigsten jenseits der Weichsel und sogar in Skandinavien zu findenden römischen Waren zählen Schmuck, Statuetten, Glas und Fibeln, aber auch Waffen. Meist wurden diese Gegenstände als Grabbeigaben gefunden, was auf das hohe soziale Prestige verweist, das der Besitz solcher Waren bedeutete. Bei der zeitlichen Einordnung zeigt sich, daß zunächst besonders in augusteischer Zeit und dann wieder Mitte des zweiten Jahrhunderts verstärkt römische Waren nach Germanien gelangten. Vielfach war dieser Austausch jedoch nicht Teil eines ausgedehnten Handelsnetzes über den Limes hinweg. Römische Händler errichteten kein System geregelter Geschäftsbeziehungen, sondern wurde von Einzelpersonen getragen und beschränkte sich auf isolierte Handelsexpeditionen. Die Waren gelangten als diplomatische Geschenke, Tribut oder Beute nach Germanien. Auch innerhalb Germaniens wurden römische Waren wohl zu diplomatischen Zwecken weitergehandelt. Ein weiterer Faktor, der nicht vernachlässigt werden darf, ist die Produktion römischer Waren in Germanien selbst. Archäologische Funde verweisen auf die Präsenz römischer Handwerker auf germanischem Boden und germanische Handwerker dürften selbst auch Imitate römischer Gegenstände produziert haben.
Viel schwieriger als der Austausch von Luxusgütern ist der Kleinhandel über den Limes hinweg zu erfassen, da hier viele Konsumgüter gehandelt wurden. Dieser Grenzverkehr ist kaum in Funden nachzuweisen, dürfte aber dennoch das bei weitem größere Handelsvolumen aufgewiesen haben. Unter den benachbarten Stämmen hatten hier die Hermunduren eine herausragende Position, wie Tacitus in seiner Germania beschreibt. Im allgemeinen beschränkte man die Orte, an denen die Germanen ihre Waren tauschen konnten, auf die unmittelbare Grenzregion, während die Hermunduren auf im Landesinneren frei Handel treiben durften. 
Die Handelsbilanz dürfte für die Germanen im Allgemeinen negativ gewesen sein. Die hauptsächlichen Tauschwaren der Germanen waren Bernstein, germanische Sklaven, Pelze und Felle, Schinken, Seife, Gänsefedern und Frauenhaar, das im Römischen Reich eine begehrte Ware war, um Perücken herzustellen, aber auch aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit zu Tauen geflochten für militärische Zwecke verwendet wurde. Von römischer Seite kamen neben den bereits erwähnten Luxusartikeln Keramik, Wein, Vieh und Getreide nach Germanien. Bei den Stämmen, die dem Limes benachbart waren, hielten im Laufe der Zeit auch zunehmend römische Eßsitten Einzug und die kleinen germanischen Rinder wurden durch größere römische Sorten ersetzt.
Geldwirtschaft gelangte von Rom kaum tief nach Germanien, in der Grenzregion wurde Geld natürlich wegen des Handelsverkehrs durchaus geschätzt. Zwar fand man eine große Anzahl von Münzen, allerdings wiederum als Grabbeigaben. Münzen galten wohl nicht als reguläres Zahlungsmittel sondern als Luxusgut. Es kann daher auch nicht verwundern, daß kaum Münzen gefunden wurden, die ab dem dritten Jahrhundert geprägt wurden. Aufgrund des geringeren Edelmetallgehaltes waren die Münzen für die Germanen wertlos, während sie im Römischen Reich ihren Nominalwert besaßen. 
Tacitus schreibt dazu: 

„Allerdings wissen unsere nächsten Nachbarn wegen des Handelsverkehrs mit uns Gold und Silber zu schätzen, und sie kennen bestimmte Sorten unseres Geldes und nehmen sie gern; doch im Inneren herrscht noch einfacher und altertümlicher Tauschhandel. Von unseren Münzen gelten bei ihnen die alten und seit langem bekannten, die gezahnten und die mit dem Bilde eines Zweigespanns. Silber schätzen sie mehr als Gold, nicht aus besonderer Vorliebe, sondern weil sich der Wert des Silbergeldes besser zum Einkauf alltäglicher, billiger Dinge eignet.“
(Tac. Germ. 5)

Diese Aussage des Tacitus läßt sich archäologisch bestätigen, da fast alle in Germanien gefundenen römischen Münzen tatsächlich aus Silber sind.

Literatur: 
Tacitus, Germania
Dietwulf Baatz, Der römische Limes. Archäologische Ausflüge zwischen Rhein und Donau,
Berlin 1974.
Ernst Fabricius, RE XIII, 1 (1926), Sp. 572-671, s.v. Limes.
Eckart Olshausen, NP 7 (1999), Sp. 192-195, s.v. Limes (Allgemein).
Rainer Wiegels, NP 7 (1999), Sp. 200-203, s.v. Limes (Germania).
Karlheinz Dietz, NP 7 (1999), Sp. 204-207, s.v. Limes (Raetia).
Reinhard Wolters, Die Römer in Germanien, München 2000.


 

 

 

 

 

 

 © Werner Stangl 2004